Friedhofsgärtner gestalten im Herbst und Winter blühende Erinnerungsorte

„Die Blätter fallen, fallen wie von weit, als welkten in den Himmeln ferne Gärten“ – so wie im Gedicht von Rainer Maria Rilke weht der Wind in diesen Tagen überall bunt gefärbtes Laub umher. Die verschwenderische Farbenpracht des Herbstes verzaubert nicht nur Gärten und Parks, sondern auch die Grabstätten auf unseren Friedhöfen. Hier verwandeln Friedhofsgärtner jetzt so manches Grab in einen liebevollen Ort der Erinnerung, was nicht nur zu Allerheiligen angesagt ist. 

Die Hektik wird aus unserem Alltag genommen, die Tage werden immer kürzer und Besinnlichkeit kehrt ein – der November ist traditionell den Verstorbenen und ihrem Gedenken gewidmet. Im Herbst und besonders in den Wochen der Totengedenktage Allerheiligen, Allerseelen, Totensonntag und Volkstrauertag wird nun noch ein letztes Mal im Jahr das Grab der Verstorbenen frisch bepflanzt und geschmückt. Dabei sind die Zeiten von eintönigen Bepflanzungen längst vorbei. „Bunt und farbenfroh und mit viel Naturmaterialien“, lautet heute das Motto für eine kreative und stimmungsvolle Grabgestaltung.

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Besonders wichtig dabei ist die richtige Pflanzenauswahl. „So wie die Grabstätten jetzt hergerichtet werden, müssen sie die langen Wintermonate überstehen“, erklärt Friedhofsgärtner Christof Hilligardt aus Pforzheim. Als Vorsitzender der badischen Friedhofsgärtner weiß er, worauf man bei der Herbstbepflanzung achten muss. Bei Friedhofsgärtnern besonders im Trend sind immergrüne Blattschmuckpflanzen wie das Silberblatt (Senecio) und das rot- bis orangefarbene Purpurglöckchen (Heuchera), aber auch Heidegewächse, wie Calluna oder Erika. "Sie zählen im Herbst zu den Stars im Pflanzensortiment und dürfen auf dem herbstlich geschmückten Grab nicht fehlen“, so Hilligardt. Während das Heidekraut Erika (Erica gracilis) allerdings nicht winterhart ist und nach mehreren Frostnächten braun wird, übersteht die Besenheide Calluna (Calluna vulgaris) mit ihren bunten Blütenknospen den Winter locker. Darüber hinaus gibt es noch die Schneeheide (Erica carnea), die leicht mit der Calluna zu verwechseln ist. „Die Schneeheide ist auch winterhart und zeigt selbst bei Schnee und Eis bis zum Frühjahr ihre weißen, roten oder rosafarbenen Blüten“, erläutert Hilligardt. Auch die Krähenbeere (Empetrum) ist mit ihren bernsteinfarbenen Blättern besonders gut geeignet. Sie lässt sich hervorragend mit Salbei (Salvia), Christrosen (Helleborus) und winterharten Ziergräsern wie das leuchtende, kompakt wachsende japanische Blutgras (Imperata) kombinieren. Ebenso schmücken jetzt liebevoll gefertigte Grabschalen und Gestecke, bei denen natürliche Materialien wie Holz, Tannenzapfen, Rinden, getrocknete Fruchtstände, Moos und Flechten dominieren, die Gräber. Mit etwas Gespür für die passende Farbzusammenstellung entsteht so ein schönes, herbstliches Grab, das bis in den Vorfrühling hinein die Verbundenheit zum Verstorbenen zum Ausdruck bringt.

Spätestens Mitte November wird der Winter eingeläutet, der das Bild der Friedhöfe verändert. Auf den Grabstätten werden nun die herbstlichen Spätblüher von der Winterabdeckung mit dauerhaften Arrangements abgelöst. Kunstvolle Kränze, Gestecke, Blumenschalen oder Frischblumen auf einer Abdeckung aus Tannenzweigen sorgen in der kalten und dunklen Jahreszeit dafür, dass das Grab nicht trostlos wirkt. „Rosen auf Tannen- oder Stechpalmenzweigen sind eine beliebte Kombination für den winterlichen Grabschmuck“, erläutert Christof Hilligardt.

Ein Grab ansprechend zu schmücken und über Jahre hinweg zu pflegen, erfordert viel Einsatz. Wer dafür selbst keine Zeit hat oder nicht in der Lage dazu ist, der sollte sich an einen Friedhofsgärtner vor Ort wenden. Hilligardt: „Die Friedhofsgärtnereien helfen nicht nur bei der Zusammenstellung der Pflanzen und der Auswahl des Grabschmuckes, sondern übernehmen auch dauerhaft die Pflege – vom Saubermachen der Grabfläche, über das Schneiden und Gießen bis hin zur jahreszeitlichem Wechselbepflanzung und individuellem Grabschmuck.“ Entsprechende Vereinbarungen zur Dauergrabpflege können mit dem örtlichen Friedhofsgärtner je nach Bedarf abgeschlossen werden.