Bundesweit erster Erinnerungsgarten der Kulturen stößt auf großes Interesse

Ein Gemeinschaftsgräberfeld für Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religionen – was es bislang noch auf keinem einzigen Friedhof in Deutschland gibt, feiert als Pilotprojekt auf der Gartenschau Enzgärten Mühlacker seine Premiere. Seit der offiziellen Eröffnung am 9. Mai zählt der Erinnerungsgarten der Kulturen der Genossenschaft Badischer Friedhofsgärtner eG zu einem der Höhepunkte der diesjährigen Gartenschau. Der Ausstellungsbeitrag stößt nicht nur auf das Interesse der Gartenschau-Besucher. Auch bei Experten des Friedhofswesens, Vertretern von kommunalen Friedhofsverwaltungen und im gärtnerischen Berufsstand findet sowohl die fachliche Ausführung als auch die Idee, die hinter dem bundesweit einmaligen Projekt steht, großen Zuspruch. Die Bilanz der Friedhofsgärtner zur Gartenschau-Halbzeit fällt daher überaus positiv aus. 

Unter dem Motto „Miteinander leben – miteinander gedenken“ vereinen die badischen Friedhofsgärtner im Erinnerungsgarten der Kulturen auf der Gartenschau beispielhafte Grabstätten für Menschen aus unterschiedlichen Ländern, Kulturen und Religionen. Die Idee für den Ausstellungsbeitrag entstand vor dem Hintergrund, dass sich heute immer mehr Menschen aus anderen Ländern und Kulturen sowie Angehörige anderer Glaubensrichtungen, die seit vielen Jahren in unserer Gesellschaft verwurzelt sind, eine Grabstätte in Deutschland wünschen, anstatt sich in ihren früheren Heimatländern bestatten zu lassen. Auf den meisten Friedhöfen wird dieser Entwicklung zwar heute schon Rechnung getragen. Allerdings werden diese Grabstätten überwiegend in separaten Bereichen auf den Friedhöfen angesiedelt. „Eine Vermischung bleibt aus“, erklärt Christof Hilligardt, Vorsitzender der Fachgruppe Friedhofsgärtner im Verband Badischer Gartenbaubetriebe. Begegnungen zwischen Trauernden finden somit kaum statt und die verschiedenen Traditionen bleiben anderen gegenüber meist unbekannt. „Anders im Erinnerungsgarten der Kulturen“, so Hilligardt, der die Idee für das Gartenschau-Projekt hatte. „In das anspruchsvoll gestaltete Gräberfeld fügen sich christlich geprägte Gräber ebenso ein, wie muslimische oder buddhistische Grabstätten.“ So finden sich beispielsweise unter den christlichen Schaugräbern auf der Gartenschau auch solche mit mediterranem Charakter, bei denen typisch südländische Pflanzen und Steine zum Einsatz kamen.

Zur Halbzeit der Gartenschau blicken die badischen Friedhofsgärtner auf eine gelungene und erfolgreiche erste Hälfte zurück. Vor allem von der Gestaltung sowie der gärtnerischen Ausführung der Anlage sind die Besucher begeistert. „Das bekommen wir in den vielen Gesprächen während unseren Beratungen an den Wochenenden immer wieder bestätigt“, resümiert Christof Hilligardt. Großes Interesse zeigten auch die Vertreter badischer Friedhofsverwaltungen im Rahmen der friedhofskulturellen Tagung der Genossenschaft Badischer Friedhofsgärtner Ende Juni in Mühlacker. Die Experten des Friedhofswesens bewerteten die Schaffung von interkulturellen Bestattungsangeboten als zukunftsweisend für die Gestaltung kommunaler Friedhöfe. In den nächsten Tagen und Wochen wollen die badischen Friedhofsgärtner nun den Dialog mit ausländischen Mitbürgern sowie Migrantenvertretungen und Integrationsbeauftragten in der Region aufnehmen. Damit sollen die Planungen für den ersten realen Erinnerungsgarten der Kulturen auf einem badischen Friedhof vorangetrieben werden.

Noch bis zum Ende der Gartenschau am 13. September beraten die badischen Friedhofsgärtner während den Öffnungszeiten an den Wochenenden die Besucher vor Ort.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Erinnerungsgarten der Kulturen auf der Gartenschau Mühlacker.